Vergesellschaftung


Vergesellschaftung von

Meerschweinchen

 

Unter der Vergesellschaftung von Meerschweinchen versteht man die Zusammenführung von Meerschweinchen, die sich noch nicht kennen. Zwei einzelne Schweinchen miteinander oder in eine Gruppe. Jede Vergesellschaftung ist einzigartig und läuft anders ab! Die Zusammenführung von fremden Tieren ist für alle aufregend: für die Meerschweinchen und für den Menschen. Die Tiere brauchen Zeit, um sich aneinander zu gewöhnen und eine Beziehung zueinander aufzubauen. 

Lautes quieken, verfolgen, drohen, anschnattern, in das Hinterteil zwicken und beißen kann zwischen ein paar Minuten und bis zu 4 Wochen andauern. Solange sich die Schweinchen keine ernsthaften Verletzungen zuziehen und nicht an Gewicht verlieren, sollte man sich nicht einmischen!

Springen sich die Tiere innerhalb der ersten Minuten an und verbeißen sich ineinander, was eigentlich nur ganz selten vorkommt, sollte man sofort eingreifen und den Kampf beenden, indem man vorsichtig mit einer Zeitung oder Karton zwischen die Streithähne geht und einen der Beteiligten aus dem Gehege nimmt. In solchen Fällen sollte man es eventuell mit einem anderen Partner versuchen. Daher ist es von Vorteil ein Tier dort zu kaufen, wo es eventuell auch zurück genommen wird.

Am besten findet eine Vergesellschaftung auf neutralem Boden statt, z.B. in einem Außengehege, in der Küche oder im Bad, wo es keine Nischen und Schränke gibt, unter denen man die Schweinchen unter Umständen nicht mehr heraus bekommt. An diesen Ort stellt man Verstecke und Häuschen mit 2 Eingängen und Futter zur Ablenkung. Nach ein paar Stunden kann man sie dann in das frisch gereinigte Gehege setzen, indem auch die Einrichtung umgestellt sein sollte. Bis sich die Tiere aneinander gewöhnt haben, sollte das Futter immer an mehreren Futterplätzen gereicht werden.

Das Verhalten der Meerschweinchen wird leider oft zu menschlich gesehen. Sie sehen ja so süß und putzig aus und müssen einfach ein liebes Verhalten haben. Zeigen die Schweinchen dann untereinander ein Verhalten, was diesem Bild nicht entspricht, denkt man sofort, die Schweinchen verstehen sich nicht, mögen sich nicht, das Weibchen z.B. ist eine Zicke, das neu angeschaffte Schwein ist "gemein" zu dem vorhandenen Schweinchen. So menschlich darf man nicht denken. Man sollte sich lieber immer wieder vor Augen halten, dass Meerschweinchen Rudeltiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten sind. Gut sozialisierte Schweinchen verstehen die Verhaltensregeln genau. Heranwachsende Tiere müssen zurecht gewiesen werden, wenn sie ein nicht angebrachtes Verhalten zeigen und werden vom ranghöchsten Tier aus dem Weg gejagt, nehmen sich das Futter der Rangniedrigeren, erlauben dem rangniedrigeren Tier nicht, sich zu nah an sich zu legen, etc. Bei diesen Diskussionen wird viel gequiekt und gemuhigt, es fliegt Streu oder auch mal ein Büschel Fell. Bleibt es dabei, wird man unter objektiver Betrachtung feststellen, dass außer viel Getöse nicht viel passiert. Auch hier sollte sich der Mensch nicht einmischen. Die Tiere regeln diese Angelegenheiten untereinander.

Was ist nun zu tun, wenn es Stress und Streit unter den Tieren gibt? Man sollte sich die Zeit nehmen und die Tiere beobachten, um herauszufinden, was genau geschieht und wo genau die Probleme liegen. Als erstes sollte die Gruppenzusammensetzung, Veränderungen und Ereignisse (z.B. Brünstigkeit, Krankheit, altersbedingte Entwicklung eines Tieres) Haltung, Gehegegröße und Einrichtung überprüfen werden. Meistens ist der Käfig viel zu klein und die Tiere leben unter Dauerstress. Man hört eindringliche Angstquieker, das leidende Schwein kommt kaum mehr zum fressen, da es ständig gemoppt und gestört wird, es wird durch Bisse in den unteren Rücken oder im Halsbereich drangsaliert.

Ein Weibchen, das mit einem anderen Weibchen als Duo vergesellschaftet werden soll, kann sich als Furie entpuppen und das andere Weibchen in der Zeit der Vergesellschaftung permanent moppen. Wurden solche Weibchen dann in eine große Gruppe mit einem Kastraten gesetzt, zeigten sie sich plötzlich als schüchtern und zurückhaltend und waren unproblematisch mit der Gruppe zu vergesellschaften.

Lässt die Jagerei und das Moppen gar nicht nach, kann man versuchen, das Gehege mit ganz vielen Kartons, in die man mehrere Eingänge geschnitten hat, vollzustellen. Dadurch entsteht ein Labyrinth und die Tiere haben sich nicht ständig im Auge und können sich zurückziehen, was die Situation entspannt. Man sollte die Tiere nicht trennen, denn mit jeder Unterbrechung der Vergesellschaftung beginnt diese von neuem, wenn man die Tiere wieder zusammen setzt.

Erwachsene Buben, Böcke, Männchen können mit Babybuben, die noch nicht geschlechtsreif sind meist unproblematisch vergesellschaftet werden, da sich die Babybuben unterordnen und das Alttier das Oberhaupt ist. Möchte man dies nicht, da das neue Tier das Alttier überleben und wiederum 8-10 Jahre alt werden kann, sollte man über eine Kastration nachdenken. Optimal für eine Kastration ist ein Alter bis 3 Jahre. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Kastration oder es können Probleme bei der Wundheilung auftreten. Ein kastrierter Bub kann 6 Wochen nach seiner Kastration (so lange könnte er noch fruchtbar sein) mit einem älteren Weibchen vergesellschaftet werden und beide hätten einen schönen Lebensabend. Erwachsenen Böcke mit erwachsenen Böcken zu vergesellschaften, davon kann nur abgeraten werden!  

           Kleine Kratzer und Bissverletzungen können zu Beginn einer Vergesellschaftung vorkommen. Solche kleine, oberflächliche Wunden sollten täglich, bis zur Abheilung versorgt werden. Zum Desinfizieren eignet sich eine Tinkur oder Salbe von Betaisodona, aus der Apotheke, die man mit einem Wattestäbchen auftupft. Danach kann man noch einen Tropfen Surolan, vom Tierarzt, auf die Stelle geben. Die Wunden sollten täglich kontrolliert werden, da sich durch so einen winzige Bissverletzung ein Abszess (Eiteransammlung, fühlbar als Knubbel mit einer Größe von einem Kirschkern bis zu einem Taubenei) bilden kann, was nicht selten bei Meerschweinchen vorkommt. Abszesse sollten von einem Tierarzt behandelt werden. Meist ist nach einer heftigen Auseinandersetzung die Rangordnung geklärt und die Streithähnchen gehen danach friedlich miteinander um.     

Leider greifen die Menschen oftmals zu früh ein, da sie eine Vergesellschaftung zu menschlich betrachten und die Tiere aus Mitleid trennen, bevor sie ihre Rangordnung klären konnten. Bevor man in eine Vergesellschaftung eingreift oder sie gar als gescheitet sieht, sollte man sich bei erfahrenen Menschen, z.B. beim seinem Züchter Rat holen. Gemeinsam kann immer eine Lösung gefunden werden.

Eine Zweiergruppe ist für Buben am besten geeignet. Mädchen sollten immer mit einem Kastraten gehalten werden, mindestens 2 Mädchen mit einem Kastraten. Dürfen es mehr Schweinchen sein, umso besser! In einer großen Gruppe herrscht die größte Harmonie. Zickereien unter den Weibchen hört und sieht man so gut wie nie. Die Schweinchen können alle Facetten des Sozialverhaltens ausleben. In einer Sippe zu leben, ist das wahre Schweinchenleben. Voraussetzung ist natürlich ein ausreichend großes Gehege.

   

         copyright by martina franzreb www.teddy-meeries.de