Wer passt zu wem?


Wer passt zu wem?

 

Fragen vor der Anschaffung: 
1. Wie viele Meerschweinchen sollen es sein/werden?
2. Gemischtes oder gleichgeschlechtliches Pärchen /Gruppe?
3. Für immer Meerschweinchen? Was wenn das alte Partnertier stirbt?
 
Wie groß soll die Gruppe werden?
Eine Frage, die man sich vor der Anschaffung stellen sollte. Möchte man mehr als zwei Schweinchen halten, sollte man sich gleich für ein Pärchen, bestehend aus einem Kastraten und einem erwachsenen Weibchen, entscheiden. Nach und nach können hier beliebig viele Weibchen (im Babyalter oder ausgewachsene Mädchen) in die Gruppe integriert werden. 
Oder man entscheidet sich für zwei Weibchen im Babyalter und gesellt ihnen später, wenn die Mädchen groß/alt genug sind (in der Regel mit 4-5 Monaten), einen Kastraten und beliebig viele Mädchen dazu. Soll es bei zwei Tieren bleiben, ist ein Böckchen-Duo ideal.
 
Kastriertes Männchen & Weibchen: Die natürlichste Lebensart der Meerschweinchen ist die gemischte Haltung von Meerschweinchen. Mehrere Weibchen leben mit einem kastrierten Bock in einer Sippe. In dieser Gruppe können die Meerschweinchen ihr Sozialverhalten voll ausleben. Der Kastrat bringt meist Ruhe in seinen Harem. Die Weibchen sind durch seine Anwesenheit sehr ausgeglichen. Er ist der Rudelführer und die Weibchen ordnen sich unter. Neue Weibchen werden einfacher in die Gruppe integriert. Ein unkastrierter Bub sollten nicht mit Weibchen zusammen gehalten werden, da es zu unerwünschtem Nachwuchs kommt. Babybuben werden bereits mit 3 Wochen, Babymädchen mit 4-6 Wochen geschlechtsreif.  
 
Ein Bock kann ab einem Alter von 4-6 Monaten kastriert werden. Nach der Kastration kann der Bock 6 Wochen lang zeugungsfähig bleiben und sollte erst nach Ablauf der 6 Wochen zu Weibchen. Auch ältere Böcke können noch kastriert werden, jedoch steigt ab einem Alter von 3 Jahren Narkose- und Operationsrisiko bzw. Probleme bei der Wundheilung und es können sich Abszesse bilden. Da Meerschweinchen sich nicht erbrechen können, darf auch am Tag der Kastration ganz normal Futter gereicht werden. Für die Zeit beim Tierarzt gibt man eine Portion Heu und etwas gewohntes Futter z.B. ein Stück Gurke oder Paprika in die Transportbox. Wenn der kleine Patient wieder vom Tierarzt abgeholt werden darf, sollte man ihm Ruhe gönnen, Wasser, Futter und eine Wärmflasche anbieten und den Käfig mit Handtüchern auslegen. In den nächsten Tagen sollte man ihn gut beobachten und täglich einen Blick auf die Nähte werfen. Sein Verhalten sollte ganz normal sein. Bei Müdigkeit und Apathie oder sonstigen unnormalem Verhalten sollte man schnellstens seinen Tierarzt aufsuchen!     
 
 
Abzuraten ist von einem zweiten oder weiteren Kastraten oder Böcken in der Weibchengruppe! Die Kastraten/Böcke würden um die Weibchen kämpfen, mitunter tödliche Revierkämpfe ausfechten, da jeder Kastrat seinen Harem für sich beansprucht. Beide Sippen würden ein Gehege von mindestens 10 qm benötigen und vom Halter viel Fachwissen und Fingerspitzengefühl abverlangen, daher für Laien ungeeignet!
 
Die kleinste Form der gemischten Haltung ist die Pärchenhaltung: Ein Weibchen lebt mit einem Kastraten, ebenfalls eine gute Kombination. In der Regel versteht sich das Paar gut. Es gibt keine Kämpfe oder Drohungen. Auch bei dieser Kombination sollte der Bock auf jeden Fall kastriert sein, damit es nicht zu ungewolltem Nachwuchs kommt.  
 
Weibchen & Weibchen:Auch in einer reinen Weibchengruppe herrscht eine Rangordnung, die erst einmal ausgefochten werden muss! Die Festlegung der Rangordnung unter Weibchen kann etwas länger dauern. Meist übernimmt ein Weibchen die männliche Rolle und dominiert die anderen Weibchen. Wird ein Weibchen brünstig (paarungsbereit) herrscht viel Unruhe in der Gruppe. Das brünstige Weibchen reitet bis zu 2 Tagen bei anderen Weibchen auf. Die anderen Weibchen mögen dies nicht und reagieren gereizt. Dadurch entstehen Spannungen in der Gruppe. Weibchen, die sich in reinen Weibchengruppe als dominante Tiere zeigen, können im großen gemischten Rudel ausgeglichene Sippenmitglieder sein! Auch hier schafft der Kastrat Harmonie und die Weibchen dürfen einfach nur Weibchen sein. Bei einer reinen Weibchengruppe bekommen die Weibchen oftmals mit zunehmendem Alter Gebärmutter- und Eierstockprobleme. Untersuchungen haben gezeigt, dass solche Probleme durch einen Kastraten im Harem vermieden werden können. Daher sollte man eine gemischte Haltung (siehe oben) vorziehen! Verhaltensweisen von Weibchen, die Böcke nicht haben? Weibchen verspritzen Urin als Abwehrreaktion. Werden sie zu sehr von einem Bock oder anderen Weibchen bedrängt verspritzen sie Urin, indem sie ihr Hinterteil hochheben und spritzen! Sie können sehr weit und hoch spritzen, auch an Zimmerwände oder Schränke.
 
Männchen & Männchen:Männchen sind viel gemütlicher und friedlicher als Weibchen. Sie lassen viel lieber knuddeln als die etwas hektischeren Weibchen. Optimal lassen sich 2 Böcke zusammen halten und deren Freundschaft hält ein Leben lang. Es kann zwar mitunter im Alter von 2/ 2,5 Monaten, 6 Monaten und mit 1 Jahr immer wieder zu Rangstreitigkeiten kommen, die jedoch meisten harmlos ablaufen. Voraussetzung ist, es werden alle Regeln zur Bockgruppenhaltung eingehalten (Gehegegröße, mehrfache Ausstattung von Häusern, Heuraufen, Trinkflaschen, Futterplätzen, Alter der Böcke, kein Weibchen in der Nähe). Ein älteres Tier lässt sich fast immer mit einem Jungböckchen, das nicht älter als 6 bis 8 Wochen ist, vergesellschaften. So muss auch ein älteres Tier nicht alleine bleiben. Böcke bzw. eine Bockgruppe braucht mehr Platz! Als optimale Gehegegröße für zwei Böcke gilt eine Grundfläche von 1,5 qm. Dabei sollte das Gehege mindestens 0,80 cm tief sein und Etagen rechnen bei der Gehegegröße nicht mit!   Unter 140 x 70cm darf der Käfig/ das Gehege für 2 Buben keinesfalls sein! Sollen es mehr als 2 Buben sein hat sich die gerade Anzahl der Tiere als günstiger und harmonischer erwiesen, also 4 Böcke, 6 Böcke, 8 Böcke. Trennen sie die Böcke auch
nicht nur für kurze Zeit, z.B. ein Tierarztbesuch. Leihen sie keinen Bock für eine Verpaarung mit einem Weibchen aus. Ein Böckchen, dass zu einem Weibchen durfte, wird sich meistens nie wieder mit seinem Lebenspartner verstehen - die Freundschaft ist für immer aus und vorbei! Die Männchen bekämpfen sich nach einem Weiberbesuch bis aufs Blut und können nicht mehr gemeinsam in einem Gehege gehalten werden. 
 
Böcke stinken und sonstige Vorurteile: Ein zu kleiner Käfig, der zu selten frisch gemacht wird fängt an zu riechen, egal ob darin Männchen oder Weibchen gehalten werden. Das Fell der Meerschweinchen, egal ob Männchen oder Weibchen sollte nach Heu und Stroh duften! Manchmal kann es auch am Futter liegen, wenn`s mal strenger riecht... Paprika und einige Kohlsorten können Meeries oder deren Köttel anders riechen lassen. Tolle Seite zu "stinkende" Böcke und andere Vorurteile gibts bei den Salatfresserchen... www.salatgurken.net/ unter "proBock"sowie weitere tolle Infos unter Bockgruppen, Vergesellschaftung, Rappelphase 
 
Mehrere Männchen oder Kastraten und ein Weibchen Diese Gruppenzusammensetzung ist abzulehnen! Leider findet man solche Gruppen bei Kinderzimmerverpaarungen, wenn sich die Besitzer bei der Feststellung der Geschlechtern nicht auskennen und die "Familie" einfach in einem Käfig halten: z.B. Vater, Mutter, Töchter und Söhne in einer Gruppe. Die Babybuben werden bereits mit 6-8 Wochen geschlechtsfähig und werden versuchen das Muttertier zu decken. Die Schwestern werden bereits mit 4 Wochen geschlechtsreif und können als Babymädchen von den Brüdern und vom Vater gedeckt werden. Dabei entstehen Rangkämpfe, die tödlich enden können und es gibt erneut Nachwuchs! 
 
Alt und Jung und gleiches Geschlecht? 
 
Setzt man ein junges Schweinchen zu einem Älteren, ist diese Kombination für beide Seiten nicht optimal. Das ältere Tier hat gerne seine Ruhe und das Jungtier ist stürmisch und braucht einen Spielgefährten. Die Vorteile dieser Kombination: Das Jungtier kann von dem Alttier lernen und sich Verhaltensweisen abschauen. Schreckhafte Jungtiere lernen so Gelassenheit von dem älteren Schweinchen.
Besonderheit bei Männchen: Ist ein älteres Männchen allein, lässt es sich fast immer unproblematisch mit einem Babybuben vergesellschaften. In diesem Fall sollte man jedoch nur einen Babybuben mit dem älteren Männchen vergesellschaften, da sich zwei jungen Buben, wenn sie in die Rappelphasen kommen, zusammenschließen könnten und dem Alttier den Rang abfordern wollen, denn gemeinsam ist man stärker und es lässt sich leichter moppen.
Sind dagegen 2 Ältböcke vorhanden und man möchte die Gruppe erweitern, sollten 2 Babybuben einziehen, also wieder eine Vierergruppe, da die beiden vorhandenen Buben sich sonst eifersüchtig um den Babybuben streiten. Jede Veränderung  in der Gruppenzusammensetzung (z.B. durch neue Tiere) kann bewirken, dass sich die Gruppe nicht mehr versteht und man dann eine Gruppe in zwei Gruppen aufteilen muss. 
 
Alt und Jung und verschiedene Geschlechter?
In eine größere Gruppe, bestehend aus einem Kastraten und mehreren Weibchen kann man ohne weiteres Babymädchen dazu setzen. Die Babymädchen wachsen harmonisch im Rudel auf. Unterschiedliche Altersstrukturen bringen Harmonie in die Gruppe und die sozialen Bindungen der Gruppe können in allen Facetten ausgelebt werden. 
Hat man nun einen Kastraten und möchte ein Pärchen halten, sollte das Weibchen körperlich dem Kastraten gewachsen sein, also kein Babymädchen zu einem erwachsenen Kastraten, da der Kastrat das Babymädchen bedrängen wird und aufreiten möchte. Hier wäre ein ausgewachsenes Mädchen mit 4-5 Monaten oder ein älteres Weibchen besser geeignet.
 
Das Partnertier verstirbt:
Bleibt ein älteres Meerschweinchen alleine übrig, weil der Partner verstorben ist, sollte man diesem Schweinchen immer wieder einen neuen Partner dazugesellen. Ein älteres Weibchen kann wieder mit einem älteren Weibchen oder einem älteren Kastraten vergesellschaftet werden.
Bei den ausgewachsenen Buben ist es etwas anders:
Bleibt ein älteres Böckchen alleine, weil sein Freund verstorben ist, kann man leider nicht einfach ein gleichaltriges/älteres Böckchen zu dem vorhandenen Altbock setzen! Zwei erwachsene Böckchen bekämpfen sich in der Regel, da sich keiner unterordnen möchte. Die Böcke können sich massive Verletzungen zufügen, die tödlich enden können. Von Vergesellschaftungen unter gleichaltrigen geschlechtsreifen ausgewachsenen Böcken kann nur abgeraten werden.
Ein älterer Bub, der nicht kastriert ist, sollte mit einem Babybuben vergesellschaftet werden. Der Babybub sollte nicht älter als 4-8 Wochen sein (je nach Entwicklungsstand und Charakter des Babybuben kann er auch um die 10. Woche alt sein.) In diesem Alter sind die Babybuben noch bereit sich einem erwachsenen Bock unterzuordnen. Die Vergesellschaftung läuft meist harmlos ab. Der Altbock dominiert den Babybuben durch Verfolgung und Aufreiten und das Jungböckchen ordnet sich schnell unter - der Beginn einer lebenslangen Freundschaft.
Ist der ältere Bub noch nicht zu alt und gesund, besteht auch die Möglichkeit, ihn kastrieren zu lassen. Nach einer Wartezeit von 6 Wochen nach Kastration kann er dann als Kastrat zu einem älteren Weibchen ziehen.
Möchte man keinen Babybuben mehr anschaffen, da dieser ja auch wieder eine Lebenserwartung von 5-8 Jahren hat und kann der übrig gebliebene Altbock aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr kastriert werden, sollte man das übrig gebliebene Tier dennoch nicht alleine lassen. Die Tiere trauern um ihren verstorbenen Partner und vereinsamen. Das Leben eines Rudeltieres ist ohne Rudel kein Leben und der Mensch oder ein artfremdes Tier kann den Meerschweinchenpartner nicht ersetzen! In dieser Situation sollte man den Altbock Menschen anvertrauen, die bereits sind, ihn wieder mit einem Babybuben zu vergesellschaften.      
 
 
Für immer Meerschweinchen? 
Schafft man sich nun zwei Meerschweinchen an, steht man leider irgendwann einmal vor der Frage: Was, wenn einer der beiden stirbt? Was ist mit dem übrig gebliebenen Tier? Am liebsten wäre es uns vielleicht, wenn beide nach einem schönen langen Leben gemeinsam für immer einschlafen. Leider bleibt es meistens ein Wunschgedanke und ein Tier wird von dem anderen verlassen. 
Die durchschnittliche Lebenserwartung von Meerschweinchen beträgt ca. 5-8 Jahren. Entscheidet man sich nun für ein kleines Babyschweinchen zu dem "übrig" gebliebenen Tier, beginnt die Zeit der Meerschweinchenhaltung von vorne, denn auch das neue Tier kann ja wieder 5-8 Jahre alt werden und wieder stellt sich die Frage: Was, wenn einer der beiden stirbt. Ein Kreislauf beginnt, den man so vielleicht nicht möchte. Es gibt folgende Möglichkeiten:
Ist das übrig gebliebene Tier ein Weibchen oder ein Kastrat, kann man sich an (s)einen Züchter wenden und nach einem gleichaltrigen Weibchen fragen. Seine Tiere haben alle ein Geburtsdatum und er kann Ihnen ein gleichaltriges passendes Weibchen anbieten. In Tierheimen oder Notstationen findet man auch immer viele Meerschweinchen, die sich über ein neues Zuhause freuen. Hier sind die Altersangaben allerdings meist ungenau oder unbekannt.
Schafft man sich nun zwei (Baby-)Böckchen an, sollte man sich frühzeitig nach der Anschaffung Gedanken über eine Kastration machen, denn ein alter Kastrat kann immer wieder mit einem alten Weibchen vergesellschaftet werden. Ein Altbock nur mit einem Babybuben und Zeit der Meerschweinchenhaltung beginnt von vorne zu laufen. Lesen Sie dazu auch oben "Wenn das Partnertier verstirbt"

 

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